Textile Kostbarkeit der Franziskaner

2.500 Euro für den Erhalt einer historischen Kasel

Torgau, der 4. Februar 2007. Die Sparkassenstiftung für die Region Torgau-Oschatz unterstützte Ende 2004 die vom Torgauer Geschichtsverein e. V. in Auftrag gegebene Restaurierung einer Kasel aus dem 15. Jahrhundert mit 2.500 Euro. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wird das historische Gewand den Besuchern im Rahmen einer Dauerausstellung des Stadt- und Kulturgeschichtlichen Museums Torgau im Kurfürstlichen Kanzleihaus als besonderes Exponat präsentiert.

Die Franziskaner in Torgau

Der Bettelorden der Franziskaner, 1243 erstmals urkundlich erwähnt, ist in seiner Gründung einer der ältesten in Sachsen. Durch die Unterstützung mehrerer Kurfürsten und hier vor allem von Friedrich dem Weisen (1463-1525), erhielt das Torgauer Konvent der Bettelmönche im 15. Jahrhundert mehrere Stiftungen. Auch die historische Kasel stammt aus dieser Zeit. Das Ende für die Franziskaner in Sachsen kam mit der Reformation. In den Torgauer Chroniken ist ein Sturm auf das Kloster im Jahre 1525 vermerkt.

Die Torgauer Kasel

Bei einer Kasel, lat. "casula" ("Häuschen"), handelt es sich um ein liturgisches Gewand, das in seiner ursprünglichen Form ganzkörperbedeckend war. Ab dem 12. Jahrhundert begann man damit, die Kasel an beiden Seiten etwas auszuschneiden, so dass die Hände benutzt werden konnten. Hergestellt wurde und wird sie hauptsächlich aus Damast und Samt aus Seide. Die Farbgebung hängt dabei mit den Festen und Feiern des Kirchenjahres zusammen - so werden schwarze Kaseln bei Totenmessen getragen, während man rote Kaseln für die Karfreitagszeremonien benutzt. Früher dominierte die römische bzw. auch "Bassgeigen"-Kasel - auch die Torgauer Kasel besitzt solch eine Form. Heute ist jedoch die gotische Form üblich. Nach der Reformation wurde die Kasel bei den Reformierten abgeschafft, Lutheraner und Katholiken hielten an ihr fest. Heute ist ihr Gebrauch bei den deutschen Lutheranern jedoch eher selten geworden. Für die römisch-katholische Kirche ist die Kasel heute das Gewand, das alle zelebrierenden Priester bei der Heiligen Messe tragen.

Die historische Kasel aus dem ehemaligen Torgauer Franziskanerkloster ist sehr wahrscheinlich um 1480 entstanden. Sie zeigt die typische Musterung eines italienischen Samtes mit Granatapfelmotiv. Auf ihrer Vorderseite befindet sich ein goldgesticktes Jesus Monogramm. In Deutschland existieren nur sehr wenige Kaseln in dieser unveränderten und vollständig erhaltenen Form. Der daraus resultierende bedeutende kulturhistorische Wert des Gewandes machte eine umfassende Restaurierung unumgänglich.

Sparkassenstiftung unterstützt Restaurierung mit 2.500 Euro

Die von der Sparkassenstiftung für die Region Torgau-Oschatz mit 2.500 Euro unterstützte Restaurierung der historischen Kasel dauerte knapp sieben Monate. Zunächst wurde mit einer Trockenreinigung begonnen. Um die Substanz des Gewandes zu schonen, wurde die Reinigung nur indirekt mit Pinsel und Spezialstaubsauger vorgenommen. Anschließend wurden Deformationen beim Obermaterial und den Borten mittels einer partiellen mechanischen Rückführung minimiert. Danach konnte mit der nähtechnischen Sicherung der Schadstellen an Obermaterial, Borten und Stickerei begonnen werden. Bei den Borten und den Stickereien wurden außerdem lose Enden angelegt und offene Nähte geschlossen. Zum Abschluss der Restaurierung wurden alle neu eingefügten Unterleg- und Nähmaterialien originalgetreu eingefärbt.


Förderprojekte:
2 500,00 € - Torgauer Geschichtsverein e. V.